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DAS KLAPPRIGE FAHRRAD

„Wie eine Laufbahn in mir: Ich steige auf ein klappriges Fahrrad …

und beginne mich anzuschieben. Ich schwanke hin und her. So fühlten sich die letzten zwei Jahre an. Ein schleichender Prozess begann, der mich irgendwann auf eine Bundesstraße führte. Ab jetzt: Chaos! Schnell ziehen Autos an mir vorbei und alle aus völlig unterschiedlichen Richtungen. Laut rufen Menschen, in einer nicht aufhaltbaren Schnelligkeit zu mir:“Was willst du denn damit auf einer Bundesstraße?“

„Damit“ ist für sie wohl mein fast kaputtes Fahrrad. Ihre Rufe lassen mich beinahe mein Gleichgewicht verlieren, doch ich fahr schon lang auf diesem klapprigen Ding. Ich weiß gut damit umzugehen. Alle Pausen inbegriffen. Mit schmerzerfülltem Blick schaute ich nach oben, wenn ich mal am Straßenrand meine Kette neu aufzog oder versuchte meine Reifen zu flicken. Schnell fahren alle anderen und Pausen nehme scheinbar nur ich? (…)

(…) Ich kann dieses Fahrrad reparieren. Es verbessern. Jedoch wird es immer ein Fahrrad bleiben. Kein teures Motorrad, kein auf-holprigen-Wegen-fahrsicherer-Geländewagen. Nur ein klappriges Fahrrad. Doch frisch ist der Wind in meinem Haar, angenehm die Nässe bei Regen, welche ich in jeder Pore meiner Haut spüren kann. Eine Empfindung, welche sich in meine Erinnerung frisst und nie wieder gehen wird. Schwer sind die Tage im Sturm, mein Trommelfell droht bei jedem Donnerschlag zu explodieren und in jedem Sonnenstrahl der beim Untergang mein Ich im goldenen Glitter wiegt, weiß ich das ich und mein klappriges Fahrrad, wie nichts anderes jemals besser zusammen passen könnte.“

 

– Anabel Alexander

 


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